Claus Föttinger (* 1960 in Nürnberg) ist ein zeitgenössischer deutscher Künstler. Er lebt in Düsseldorf und in Arnheim in den Niederlanden. Föttinger befasst sich überwiegend mit Installations- und Objektkunst. Er startete seinen künstlerischen Werdegang als Assistent zweier Werbefotografen und absolvierte Praktika als Bühnenbildner und Bühnenmaler an den Städtischen Bühnen Nürnbergs. Von 1982 bis 1989 studierte er Freie Malerei an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf bei Professor Alfonso Hüppi. 1987 war er dessen Meisterschüler. Von 1989 bis 1990 war er Assistent bei Harald Klingelhöller und Katharina Fritsch. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit arbeitete er von 1990 bis 1992 im Kunstraum Friesenwall 116 a e. V. in Köln. 1991 war er Gründungsmitglied des Kunstvereins WP8 e. V. in Düsseldorf und übernahm von 1992 bis 1994 dessen ehrenamtliche Leitung. Von 1995 bis 1996 war er Gastkurator der Derik-Baegert-Gesellschaft in Schloss Ringenberg am Niederrhein. Seit 1996 realisiert Föttinger nur noch eigene Projekte. 

Wir wollten von ihm wissen, wie er unsere Initiative einstuft, mit Kunstwerken Menschen zu natürlich nachhaltigen Lebensstilen zu inspirieren. Gleichzeitig gibt er einige Empfehlungen für den künstlerischen Entstehungsprozess.

KWZ: Sie sind Künstler. Was ist Kunst?

CF: Kunst ist Ausdruck der eigenen Empfindungen. So unterschiedlich wie unsere Gefühle sind, so vielfältig kann auch Kunst sein. Daher ist Kunst völlig frei und offen in seinem Ausdruck. Man kann sie nicht bewerten, sondern nur wirken lassen.

KWZ: Im Rahmen unserer MitmachAktion KunstWerkZukunft entstehen Kunstwerke von Umweltbildner*innen. Wie sehr darf man den Prozess der Kunstentstehung mit Kindern und Jugendlichen bis 25 Jahren lenken?

CF: Lenken ist womöglich nicht ganz passend. Der Prozess sollte strukturiert sein. Entweder es wird ein Thema oder eine Kunstform vorgegeben oder nicht. Egal für was man sich entscheidet, sollte man versuchen die Kinder in die Emotion zu bringen, in dem man mit ihnen das Thema bespricht oder noch besser mit ihnen an den Ort des Geschehens geht. Diese Empfindungen, die sie bei der Beobachtung und Auseinandersetzung mit dem Thema empfinden gilt es dann zum Ausdruck zu bringen. Dabei kann es schwierig sein zu verstehen wie man diese Emotionen in Kunst übersetzt. Dabei Unterstützung zu geben ist wichtig.

Man sollte davon absehen, zu bewerten, was das Kind oder die/der Jugendliche hervorbringt, sondern zulassen, was es formt.  Und es gehört auch dazu, an diesem Prozess zu scheitern. Auch das muss akzeptiert werden, dass nichts Sichtbares „herauskommt“.

Das Wichtigste ist zu verstehen, dass Kunst Zeit braucht,um sich zu entwickeln.

Man muss unterscheiden, ob Unterstützung im Entstehungsprozess in Form von Dialog, Materialien, Raum und Zeit gegeben wird oder ob gelenkt wird, um Kunst zu instrumentalisieren.

KWZ: Wie können unsere Umweltbildner*innen Struktur geben?

CF: Zum Einen ist es wichtig das Thema inhaltlich – natürlich nachhaltige Lebensstile – zu erklären und zu besprechen. Was verstehen wir darunter? Warum nutzen wir das Thema?

Kunst berührt viele Bereiche. Es gehören dazu: Kultur, Milieubewußtsein, Pädagogik und Nachhaltigkeit. All das kann man vorbereiten und begleiten, so dass man den Prozess der Kunstentstehung gut verwirklichen kann.

KWZ: Mit den Kunstwerken innerhalb unserer MitmachAktion wollen wir Menschen anregen über ihren Lebensstil nachzudenken. Kann das über Kunstwerke erreicht werden?

CF: Kunst ist was intimes und individuelles. Was Kunst kurzfristig kann ist Impulse zu setzen. Dabei entscheidet der Künstler, ob er seinem Kunstwerk eine Erklärung geben will, um den Kontext zu erklären. Und er entscheidet auch, ob er seine Kunst sichtbar machen will.
Das Schöne an der Kunst ist, dass sie von jedem verstanden wird. Das ist die echte Macht, die sie besitzt. Und so kann sie inspirieren, traurig machen, Freude schenken oder einfach nur da sein.

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