LandArt-Künstlerin Christina Diana Wenderoth im Interview

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Erzähl kurz was zu dir?

Ich liebe es in der Natur zu sein. Draußen schlafen im 1000 Sternehotel, das einfache Leben im Wald, kochen am Lagerfeuer ist für mich als Münchner Stadtbewohnerin ein wichtiger, fast notwendiger Ausgleich und Ressource.

Fast immer begleitet mich meine Kamera, um meine LandArt-Werke zu dokumentieren, sollte mich die Muse plötzlich küssen 🙂

Was reizt dich an LandArt? Wie bist du dazu gekommen?

Die Magie von LandArt liegt für mich in der Verbindung von ganz-nah-in-und-mit-der-Natur-sein, kreativem Ausdruck und der Vergänglichkeit, das Kunstwerk vor Ort zulassen. Ich liebe die natürliche Schönheit von LandArt-Kunstwerken. LandArt bringt mich zu mir in einen zeitlosen, wertfreien und glückseligen Raum. Es ist wie Meditation ohne Anstrengung.

Im Rahmen meiner Ausbildung zur Naturpädagogin bin ich LandArt als Methode der Umweltbildung begegnet. Zeitgleich fiel mir ein Flyer des Bremer LandArt-Künstlers Werner Henkel in die Hände und ich wußte „da muss ich hin“. Das ist bald 20 Jahre her und LandArt ist weiterhin meine

Passion: selbst zu gestalten und Menschen von klein bis groß den Zugang zu dem kreativen und glücksbringenden Natur-Erlebnis-Raum und damit auch zu ihrer ureigenen Kreativität zu ermöglichen. Spielerisch, leicht und zuweilen auch tiefsinnig.

Ist LandArt nicht oldschool?

Ist Schneemann bauen oldschool? Es fällt frischer Schnee und groß & klein sind draußen und bauen Schneemänner, Iglus, sonstige SchneeGestalten.

Für mich ist LandArt timeless-school: zeitlos, der Prozess des Gestaltens ist immer wieder neu. Auch wenn es schon hunderte Schneemänner gibt, den Schnee rollen, stapeln, ein Gesicht, Bauch, Arme formen ist jedesmal neu. Auch der Schnee ist jedes mal anders.

So erlebe ich es mit jedem LandArt-Projekt: die Materialien sind „bekannt“: die Zapfen, Äste, Blüten… doch bei jedem neuen Arbeiten mit einem Material lerne ich es neu und besser kennen, weiß um seine Möglichkeiten und Grenzen. Bleibe damit immer „student in the oldschool nature“ 🙂

Wie schwierig ist es in Zeiten der Digitalisierung, Menschen zu LandArt zu motivieren?

Sich kreativ auszudrücken, egal in welcher Art und Weise, ist ein menschliches Bedürfnis. Auch in Zeiten der Digitalisierung.

Ich erlebe zum einen das Bedürfnis der Menschen, sich der Natur wieder mehr zu nähern, draußen zu sein. Natur auch als „detox“ Spielwiese neu zu erobern.

Zum anderen ist die Sprache der LandArt die (digitale) Fotografie und so entsteht eine wunderbare Brücke vom Gestalten in der Natur und der digitalen Welt. So bleibt der Schaffensprozess mit seinen ganz eigenem Erleben in Form eines Fotos erhalten. Und ist wohl auch die Brücke zurück von Handy und dem Foto zurück zur Natur und dem Naturerlebnis.

LandArt ist vergänglich. Wie finden das die Kinder und Jugendlichen, dass ihr Kunstwerk nicht nach Hause zu nehmen ist?

Meine Erfahrungen sind gut damit: allgemein haben die Kinder und Jugendlichen einen entspannten Umgang mit der vergänglichen LandArt-Kunst. Wichtig ist, das Werk als Foto zu dokumentieren und damit etwas mit nach Hause zu nehmen.

Gerade der Aspekt der Vergänglichkeit fordert die Teilnehmer besonders heraus, neue Legetechniken, Variationen zu entwicklen, um z.B. bei aufkommendem Wind das Kunstwerk aus am Boden gelegten Blättern bis zur Vernissage zu erhalten.

Was sind deine Tipps für einen Experten, der sich LandArt nähern will?

FirstStep ist: einfach loslegen.

Raus gehen mit den Kinder und Jugendlichen, in den Schulhof, die nächste Parkanlage, Wald, Flußufer… sammeln, was die Natur gerade reichlich zur Verfügung stellt (vorrangig bereits losgelassene Naturmaterialien) und dann sortieren, stapeln, balancieren, legen… und ganz wichtig: das Gestaltete wertschätzen, niemals (be-)werten!

Mehr zu ihr und ihrer Arbeit erfahrt ihr auf ihrer Website.

Vielen Dank für das Interview!

 

Foto: Axel Hebenstreit

2019-01-07T09:51:24+00:00