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BNE-Seminar „Genug für alle für immer“ 2018-07-07T13:55:16+00:00

BNE-Seminar „Genug für alle für immer“

Menschen zu nachhaltigen Lebensstilen zu bewegen, ist ein Ziel der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).

Im Seminar „Genug für alle für immer“ wurde die Thematik aus einer sozial-ökologischen Gesamtsicht betrachtet. Der gemeinsame Tag sollte Multiplikator*innen stärken, Bildung unter dem Blickwinkel der „Großen Transformation“ zu sehen. Das Seminar fand am 25. Januar 2018 im Rahmen der bayernweiten Mitmachaktion „KunstWerkZukunft – Natürlich nachhaltige Lebensstile“  als Auftaktveranstaltung im Ökologischen Bildungszentrum für Träger des Qualitätssiegels Umweltbildung.Bayern statt. Veranstaltet wurde es vom Trägerteam Ökoprojekt MobilSpiel e.V., MUZ e.V. im Ökologischen Bildungszentrum München und Naturerlebniszentrum Burg Schwaneck, KJR München-Land in Kooperation u.a. mit der ANU Bayern e.V. und gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz.

Impulse für ein ganzheitliches Verständnis

Nach der Begrüßung der Teilnehmer*innen sowie dem Dank an Dr. Christoph Goppel und Carmen Schnaidt für die Förderung des Seminars durch das Bayerische Staats-ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz startete Ilona Böttger mit  Impulsen zu drei unterschiedlichen Schwerpunkten in das ambitionierte Tagesprogramm: „Politisches Engagement – Demokratie fördern„, lautete der Input von Rossana Noe vom Münchner Verein Commit. Jean-Philippe Baum vom Netzwerk Entwicklungspolitik im Saarland setzte Impulse zum Thema “Anders Wirtschaften – Werte, Rahmen und Lernorte“. Um „Regionale Netzwerke und Bildungslandschaften“ ging es Franz Galler, vom Verein Gemeinwohl-Ökonomie Bayern aus Ainring im Chiemgau. Die Impulse sollten zum ganzheitlichen Verständnis von BNE im Kontext der Großen Transformation und zur Förderung von nachhaltigen Lebensstilen bei verschied-enen Zielgruppen dienen.

Politisches Engagement – Demokratie fördern

Politisches Engagement hat für Rossana Noe verschiedene Facetten: Neben parteipolitischem Engagement unterscheidet sie Aktivismus/zivilen Ungehorsam, die Politisierung in der Arbeit sowie das zivilgesellschaftliche Engagement. Dass viele Menschen politikverdrossen sind und sich wenig engagieren, hat nach Noe nicht automatisch etwas mit Desinteresse der Bürger*innen zu tun. Doch was kann politisches Engagement tatsächlich verändern? Hierfür gibt Noe einige Beispiel, wie die Mobilisierung der Bevölkerung durch ein breites Münchner Bündnis gegen den Steinkohleabbau oder das Engagement von NGOs „Essen gehört nicht in die Tonne“, bei dem zwar bisher kein Gesetz erlassen wurde, doch durch zivilgesellschaftliches Engagement viele Möglichkeiten entstanden sind, Essen nicht im Müll landen zu lassen. Diese erfolgreichen Aktionen zeigen, wie weit auf die Politik Einfluss genommen werden kann.

Grundsätzlich sollte jedoch gelten: „Wir müssen da ansetzen, wo Gesetze entstehen und uns vielseitig engagieren“, so Noe. „Welche Beteiligungsmöglich-keiten es gibt, das müssen dann auch wir als Multiplikator*innen weitergeben.“ Es sei jedenfalls wichtig, weitere Schritte zu gehen. Mit genügend Geduld und Kraft ist auch ein Wandel in der Politik möglich, auch für die Große Transformation. Anhand der „Theory of Change“ benötige man für eine erfolgreiche Kampagne den Ist-Stand, das Ziel und die Zielgruppe, dann die Strategie, die zu einer Handlung führt und letztendlich zum Ziel. Laut Schwarmintelligenz können auch schon fünf Prozent aus einer Masse für Veränderung sorgen. Daher fordert Noe die Teilnehmer*innen des Seminars aus, den Wandel zu gestalten, Verantwortung zu übernehmen und teilzuhaben an den gesellschafts-politischen Prozessen, die bunt und vielfältig sind, um die Transformation selbst in die Hand zu nehmen. Ein Wandel sei politisch nämlich nur möglich, wenn Druck von unten komme sowie Potentiale und Möglichkeiten ausgetestet werden.

Hier finden Sie die Präsentation des Impulsvortrags von Rossana Noe.

Anders Wirtschaften – Werte, Rahmen und Lernorte

Jean-Philippe Baum kam über das Wirtschaftsthema, die Gemeinwohl-Ökonomie zu seiner aktuellen Arbeit als Bildungsreferent für Globales Lernen und als Koordinator für entwicklungspolitisches Jugendengagement des Entwicklungspolitischen Landesnetzwerkes im Saarland (NES e.V.).

Anhand seines eigenen Bildungsweges lernte er, wie sehr es auf die Atmosphäre der Gruppe und die Rolle des Lehrenden als inhaltliche Begleitung beim Lernen ankommt, damit sich Potential entfalten kann. Zu Beginn seines Impulses liest er eine Reihe von Begriffen vor und fragt die Teilnehmer*innen, ob diese etwas mit Wirtschaft zu tun haben: Finanztransaktionssteuer, Wohlstand, Reichtum, Armut, Vertrauen, Misstrauen, Umweltschutz, Umweltzerstörung, Krieg, Frieden und Liebe. Bei jedem seiner Begriffe konnten die Teilnehmer*innen einen Bezug zur Wirtschaft herstellen. „Da stimmt doch etwas nicht!“, so Baum. “Economics are the method, the object is to change the heart and soul.” Mit diesem Zitat von Margaret Thatcher versucht er, das falsche Bewertungschema der Gesellschaft aufzudecken. „Ziel ist das Geld, doch eigentlich sollte es das Mittel sein.“

Die Menschheit habe laut Baum aktuell drei Krisen: Die Trennung des Menschen von der Natur (Umweltzerstörung), die Trennung des Menschen von anderen Menschen (Kriege, Religionsstreitereien) und die Trennung des Menschen von sich selbst (Rauchen, Trinken).  Warum ist das so und warum ändern wir nichts? Ein Problem sei, dass wir in Rollenmustern gefangen sind. Unsere Rolle in der Zivilgesellschaft kann die Probleme auf systemischer Ebene nicht lösen. Die Politik der sozialen Marktwirtschaft gebe zwar Normen und Gesetze vor, doch die Unternehmen übernehmen in diesem Rahmen die Zuständigkeit für die Wirtschaft. Sie stehen im bestehenden System unter Wachstumszwang und die Politik wird wiederum daran gemessen, wie gut es der Wirtschaft geht. „Ein Kreislauf, bei dem alle die Probleme sehen, aber bisherige Lösungsansätze nicht umfassend sind, insbesondere weil die Rollenmuster nicht aufgelöst werden“, so Baum.

Bei der „Großen Transformation“ gehe es, laut Baum, um Kulturwandel und Paradigmenwechsel. Das materialistische Weltbild muss zu einem „holistischen Weltbild“ werden. Zu sich zu finden, Gruppenprozesse erleben, Vertrauen in Menschen wiedergewinnen, Naturerfahrungen machen und Teil der lebendigen Umgebung werden, könnte dies ändern und dazu ermuntern, als Erdenbürger*in Verantwortung zu übernehmen und den eigenen Umgang mit der Welt zu verändern.

Die Bildungsarbeit kann dazu ihren Beitrag leisten, indem sie beispielsweise Glücksübungen anbietet, generative Fragen stellt und diese in Verbindung mit Konsum bringt: Denn wer glücklich ist, konsumiert nicht so viel. Beleuchtet werden muss auch die Rolle der Werbung, die Grundbedürfnisse ausnutzt. Dies kann dann in Verbindung mit der Systematik der Wirtschaft, wie Wachstumszwang und Konkurrenz, gebracht werden. „Machen Sie Visionsarbeit!“, ist Baums Vorschlag an die Teilnehmenden des Seminars. „Visualisieren Sie alleine und in Gruppen: Wie würde die Welt aussehen, wenn wir nachhaltig Wirtschaften? Wie würden dann die gesellschaftlichen Strukturen, wie Bildung, Gesundheit, Mobilität, Energie, Landwirtschaft, Demokratie, Geld, Wasser etc., aussehen? Alternative Entwürfe, die bereits vorhanden sind, wie Gemeinwohl-Ökonomie, Regionalgelder und grüne Banken, aber auch Visionen, können herangezogen werden, erste Schritte zu gehen und neue Strukturen zu unterstützen.

Hier sind die Unterlagen vom Impulsvortrag von Jean-Philippe Baum.

Regionale Netzwerke und Bildungslandschaften

Den dritten Impuls zum Thema regionale Netzwerke und Bildungslandschaften gab Franz Galler den Multiplikator*innen des Seminars mit in den Tag. Der gelernte Bankkaufmann war über 25 Jahre im Bankwesen tätig. 2010 gründete er das „Büro für nachhaltige Regionalentwicklung“ und bietet Vorträge, Seminare und Workshops zu alternativer Unternehmens-Finanzierung, Regiogeld, Regionalentwicklung und Aufbau eines regionalen Finanzsystems an. Seit der Gründung im Juli 2016 koordiniert Galler die neue Gemeinwohl-Regionalgruppe Südostbayern.

Die internationale Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung, die sich in regionalen Netzwerken formiert, ist an einem Umbau der gegenwärtigen Wirtschaftsordnung interessiert. „Wir wollen keine andere Welt, doch Geld soll für uns Mittel, nicht Zweck sein“, so Galler. Die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) ist eine Bewegung hin zu einem ethischen Wirtschaftsmodell, in der unternehmerische Motive und Ziele von Gewinnorientierung und Konkurrenz zu Gemeinwohlstreben und Kooperation „umgepoolt“ werden. Herzstücke der Gemeinwohl-Bilanz sind Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit sowie Mitbestimmung und Transparenz. Anhand dessen wird unternehmerisches, aber auch gesellschaftliches Handeln im Rahmen der Initiative bemessen.

Nach der Gründung der Regionalgruppe hatten sich, laut Galler, schnell neun Unternehmen aus der Region auf den Prozess zur Gemeinwohl-Orientierung eingelassen. Doch das Interesse der Organisatoren und Beteiligten richtete sich schon bald auf die Fragestellung: „Wie kann ich die Gemeinwohl-Ökonomie auch als Bürger*in umsetzen?“ So führte das Katholische Bildungswerk Traunstein (KBW) im Rahmen der Regionalgruppe Südostbayern ein Pilotprojekt „Ich lebe enkeltauglich! Wirklich? – Als Bürger*in gemeinwohl-orientiert leben!“ durch.  24 Teilnehmer*innen  befassten sich in re­gel­mä­ßi­gen Tref­fen in der Grup­pe mit As­pek­ten des ei­ge­nen Le­bens, wie kon­flikt­freie Ent­schei­dun­gen in Grup­pen tref­fen, De­mo­kra­tie und Selbst­be­stim­mung oder ver­ant­wor­tungs­vol­ler Kon­sum. Sie gaben sich jeweils selber Aufgaben zu den Werten auf, die sie bis zum nächsten Treffen erfüllen sollten. Zum Beispiel bis zum nächsten Treffen nur fair erzeugtes Fleisch zu kaufen, einen Monat mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren oder zu einer ethisch-ökologischen Bank zu wechseln. Aus diesem Pilotprojekt entwickelte sich – quasi als Bildungskonzept für die Erwachsenenbildung – ein Spiel mit 114 verschiedenen Aufgaben, das in vielen Regionalgruppen als Kurs umgesetzt wird. Die besondere Stärke dieser Erwachsenenbildungs-maßnahme ist, dass sie Anstöße zum konkreten Handeln gibt. „Durch eine Kombination aus Spiel und Gruppendynamik bzw. Gruppenintelligenz setzt der Kurs große Veränderungs-Energie frei. Die Teilnehmer*innen des gerade abgelaufenen Pilot-Kurses packten ihre selbst gewählten Aufgaben und Themen an der Wurzel an“, so Galler.

„Wir wissen im Grunde alles, was wir wissen müssten, um gegen die Ausbeutung von Mensch und Natur und gegen die Auswüchse des Turbo-Kapitalismus etwas zu unternehmen. Und doch brauchen wir immer wieder einen Anstoß, um ins Handeln zu kommen.“ Franz Galler

Hier finden Sie die Flyer „GWÖ – Wirtschaft neu denken“ sowie „Enkeltauglich leben“ von Franz Galler.

Visionen für die Bildungsarbeit

Im Gruppendelphie kreieren die Teilnehmer*innen zahlreiche Ideen

Visionen und konkrete Schritte zu den drei Themengebieten für die konkrete Bildungsarbeit erarbeiten – so lautete der Arbeitsauftrag, den Ilona Böttger den Teilneher*innen nach den drei Impulsen vorstellte. Die drei Impulsgeber moderierten jeweils die Arbeitsgruppen zu ihrem Thema: zu politischem Engagement, anderem Wirtschaften sowie Netzwerken und Bildungslandschaften. Nach der Arbeitsmethode des Gruppendelphie teilten sich die Teilnehmer*innen des Seminars in einem rotierenden Verfahren in  drei Arbeitsgruppen zu je einem Schwerpunkt ein. In jeder Themengruppe befanden sich zwei Pinnwände mit je einer Leitfrage, und zwar zum jeweiligen Thema zum einen Visionen zu skizzieren und zum anderen konkrete Maßnahmen und Schritte zu entwickeln, um die Visionen umzusetzen. 15 Minuten hatten die Teilnehmer*innen Zeit sich, mit Hilfe des Moderators, mit der jeweiligen Fragestellung in der Gruppe auseinanderzusetzen, Gedanken und Erfahrungen aller an den Pinnwänden zusammenzutragen und miteinander zu diskutieren. Nach 15 Minuten wechselten die Teilnehmer*innen innerhalb der Gruppe, um am Thema und an den Pinnwänden der vorangegangenen Gruppe weiterzuarbeiten. Es gab insgesamt vier Wechsel. So konnte jede*r jeweils zu zwei der Themen mit seinen jeweiligen Fragestellungen seine Gedanken äußern. Es entstanden lebhafte Diskussionen und ein großes Sammelsurium an Ideen, Visionen und konkreten Maßnahmen. Die Essenz des auf den Pinnwänden entstandenen Potpourris fasste die jeweilige Gruppe im Anschluss an die Arbeitsphasen auf „Wolken“ zusammen, die gut sichtbar für alle an die Pinnwände geheftet wurden.

Die Ergebnisse der Wolken im Einzelnen:

Gesellschaftliches und politisches Engagement

„Neue Entscheidungsformen, die Orientierung an menschlichen Bedürfnissen, sowie allen die Möglichkeit geben, mitzugestalten“, so lauteten die Visionen der Teilnehmer*innen des Seminars zum gesellschaftspolitischen Engagement. Eine Teilhabe sollte ebenfalls gerecht, durch „Gehälter und Ressourcen“ ermöglicht werden. Außerdem sollten alle Blickwinkel Anerkennung erfahren. Vorgeschlagene Maßnahmen sind, „alle zu beteiligen mit einer Vielfalt von Beteiligungsformen“. Die Teilnehmer*innen sind der Meinung, dass Bildung für nachhaltige Entwicklung auch politische Bildung sei und überall, in Schulen, Kommunen, Familien, Verbände, etc., eingeübt werden könne. Beziehungen seien „als Basis für Vertrauen, Verständnis für verschiedene Perspektiven, Solidarität und Bezug zum Umfeld“ wichtig. Da es um eine „enkeltaugliche Zukunft“ gehe, sei der „gemeinsame Wille zur Veränderung“ unerlässlich. Motivierende Zeichen zu setzen und Mut zur Empörung zu haben, seien daher Maßnahmen, auch im politischen Rahmen die „Große Transformation“ anzupacken.

Zukunftsfähiges Wirtschaften

Hier erarbeiteten die Teilnehmer*innen nach reger Diskussion die Visionen „Wir, die Umweltbildung, setzen Visionen um und laden andere zum Mitmachen ein!“ Um diese Vision wahr werden zu lassen, schlugen sie vor, Visionen, die positiv berühren, zu schaffen: Bereitschaft erzeugen, die individuelle Komfortzone zu verlagern. Dazu braucht es „Um- und Neuverteilung der Mittel/Ressourcen,
Menschen mit Mut, Vertrauen, Hoffnung, langem Atem, Humor und Liebe sowie Kooperationsbereitschaft.“

Bildungslandschaften und Netzwerke

Den Sinn und Mehrwert der Netzwerke und Bildungslandschaften, so die Zusammenfassung der Teilnehmer*innen, können die Beteiligten nur erleben. „Eine breite und tragfähige Vernetzung zur Umsetzung der SDG’s entsteht“, so die Vision, und „Stabilität der Strukturen und Finanzierung wird gewährleistet.“ Der Wunsch ist dann ein „gemeinsamer Wertekonsens“. Maßnahmen wären, die „Vision zu konkretisieren“ und „Türöffner zu gewinnen“. Eine Voraussetzung hierfür seien „begeisterte Menschen (mit Freude, Mut, Liebe, etc.)“ und „jeder darf mitmachen und mitbestimmen“.

Die Ergebnisse dieses Seminars finden sich hier >>

Werte-Werkstatt

Die Teilnehmer*innen probieren motivierende Methoden aus

Nach einer verdienten Mittagspause ging es für die Seminarteilnehmer*innen in die Nachmittagsrunde, in der sie nochmals in Aktion treten durften. Rainer Schwarzmeier, Referent für Bildungsarbeit zu Globalem Lernen und Bildung für nachhaltige Entwicklung vom EPIZ Reutlingen, lud sie ein, Methoden der BNE und des Globalen Lernens auszuprobieren. Während alle in einem großen Kreis saßen, teilte er als erstes Fotos mit Szenen aus verschiedenen Ländern auf dem Fußboden aus. „Die Bilder schlagen Brücken“, erklärt er, lässt jede*n ein Foto aussuchen und in Gruppen erzählen, was er oder sie damit verbindet und welchen Bezug es zur eigenen Lebenswelt hat. „Lernende werden so in ihrem Kontext abgeholt.“ Da die nachhaltige Entwicklung, zu der auch das Globale Lernen gehört, so ein komplexes Thema sei und alles mit allem zu tun habe, müsse man aufpassen, dass die Lernenden nicht resignieren. Daher müsse eine reelle Verbindung zur eigenen Lebenswelt hergestellt werden, zum Beispiel mit solchen Bildern.

Danach stellt er die Wertewerkstatt vor, die anhand von Gläsern, die mit Murmeln gefüllt werden, die Gruppe bewerten lässt, welche Werte ihnen wichtig sind. In diesem Zusammenhang ermahnte er zum Kontroversitätsgebot: „Wir befähigen die Kinder und Jugendlichen, eine eigene Meinung zu bilden“, so Schwarzmeier. „Unsere“ Meinung sei daher immer deutlich zu kennzeichnen und es müsse auch akzeptiert werden, dass die Teilnehmer*innen nach einer Veranstaltung trotzdem bei einer anderen Meinung bleiben. Anhand von Kordeln, die die Teilnehmenden wie eine Weltkarte auf den Boden legten, erklärte er das komplexe Weltspiel, das mit wenigen oder sogar ganz vielen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gespielt werden kann. Hier geht es darum, Menschheitsthemen anhand der Verteilung auf den Kontinenten miteinander in Relation zu setzen, beispielsweise wie viele Menschen auf den einzelnen Kontinenten wohnen, wie der Reichtum auf der Welt verteilt oder wie hoch der CO2-Ausstoß jeweils ist. Damit wird recht schnell die Ungleichverteilung auf der Welt sichtbar. Zum Schluss zeigte er noch einige theaterpädagogische Methoden und wie diese Themen des Globalen Lernens und der Bildung für nachhaltige Entwicklung erfahrbar machen können.

Potenziale für BNE im Spiegel der Großen Transformation

In einer letzten Runde fasste Ilona Böttger nochmal einige der Ergebnisse aus dem Gruppendelphie zusammen, um dann einen Bogen zu den konkreten Potenzialen für die Bildung für nachhaltige Entwicklung im Spiegel der „Großen Transformation“ zu spannen. „Klar, dieser Tag war ein großes Vorhaben“, so Böttger. Alle seien jedoch rege beteiligt gewesen, es habe einen intensiven Austausch ohne Wertung gegeben, so die Moderatorin. Es werde jedoch deutlich, dass die Teilnehmer*innen viele gemeinsame Werte haben und einen gemeinsamen Willen, diese konkret umzusetzen und in die Breite zu tragen. Daher ging es nun auch um die Frage: „Wie  verankern wir das ganzheitliche Verständnis von BNE in unseren Einrichtungen, Verbänden, Netzwerken und erzielen damit eine größere Breitenwirkung für nachhaltige Lebensstile?“

Dazu teilten sich die Teilnehmer*innen ein letztes Mal an diesem Tag in Kleingruppen auf, um – wie in einer Werbeagentur – Slogans für die Bildung für nachhaltige Entwicklung im Kontext der Großen Transformation zu entwerfen. Auftrag war, mit einem Plakat zum Nachdenken anzuregen, einen Eyecatcher zu entwerfen, kreative, vielleicht verrückte Ideen zu entwickeln, um Menschen die zentrale Botschaft des Themas nahezubringen. „Alle 11 Minuten verliebt sich jemand in seine Umwelt – BNE bleibt nicht einsam“, „Wir sind der Wandel, von dem wir träumen“, „Gemeinwohl ist das Wohl. Sei Teil der Fairänderung!“ und noch andere Botschaften kreierten die Teilnehmer*innen auf bunten Werbeplakaten.

Die Seminarleiter*innen Steffi Kreuzinger, Marc Haug und Anke Schlehufer zeigten sich am Ende begeistert von den erreichten Ergebnissen des Tages. „Es ist schön zu sehen, dass so viele Leute so kreativ und so gut zusammenarbeiten können“, so Kreuzinger. Dabei sind sie davon überzeugt, dass dieses Grundlagenseminar einen Beitrag zur „Großen Transformation“ geleistet hat.

Die Ergebnisse finden sich hier >>